Ein Raum, in dem der Ton trägt, statt nur laut zu sein. Ich plane, nehme auf und mische, was bei dir zu hören sein wird. Schick mir, was feststeht: Fläche, Publikum, Termin. Wir sprechen einmal kurz darüber, bevor irgendetwas bestellt wird.
Wenn eine Agentur bei mir anruft, geht es fast nie um Technik. Es geht darum, dass etwas Neues präsentiert werden soll, ohne zu ändern, was schon funktioniert. Dass der Kunde etwas mit Wow-Effekt will, aber nicht sagen kann, was das heißt. Dass Wirkung erwartet wird und das Budget dafür nicht vorgesehen ist. Und dass eine gute Idee schwer zu pitchen ist, wenn sie zu technisch klingt.
Dazu kommt der Satz, der in fast jedem Erstgespräch fällt:
„Ich möchte, bevor wir weitergehen, deinen Stil kennenlernen und deine Qualität. Dazu muss ich Sachen in hoher Qualität irgendwo hören können.“
Der ist berechtigt. Ein Moodboard lässt sich zeigen, ein Rendering auch. Räumlicher Ton steht in keinem Angebot. Deshalb ist das erste Gespräch kurz und du hörst darin etwas, statt eine Beschreibung zu lesen.
Bei einer Installation legt nicht die Anlage fest, was möglich ist, sondern der Raum und die Menschen darin. Wie viele stehen gleichzeitig drin. Wie laut ist der Nachbarstand. Wechselt das Publikum alle drei Minuten oder bleibt es zwanzig.
Wer das früh beantwortet, hat die Tonplanung fast fertig. Wer es spät beantwortet, baut zweimal und zahlt zweimal.
Kopfhörer oder Lautsprecher. Die erste Weiche, und sie fällt selten aus klanglichen Gründen. Bei wechselndem Publikum scheiden Kopfhörer oft aus, bevor über Klang geredet wird: Wenn hundertmal am Tag die Person wechselt, ist Hygiene das Thema, nicht der Frequenzgang.
Passiv oder aktiv. Lässt sich das Publikum tragen, oder löst es selbst etwas aus. Interaktion heißt, dass der Ton auf Zustände reagieren muss statt auf eine Timeline. Das ist ein anderer Bauplan, kein Aufschlag auf denselben.
Vor Ort oder virtuell. Ein realer Raum hat eine Akustik, die mitspielt, ob man sie eingeplant hat oder nicht. Ein virtueller hat keine, und dort geht, was es in echt nicht gibt.
Wie lange. Drei Minuten am Messestand sind etwas anderes als zwanzig Minuten in einem Ruheraum. Je länger jemand bleibt, desto weniger Effekt verträgt der Raum und desto mehr kommt es auf Ruhe an.
Der Pegel geht in zwei Richtungen. Innen darf es nicht zu leise wirken, nach außen nicht zu laut werden. Bei einer Messeinstallation für Lufthansa Technik in Las Vegas war genau dieser Punkt der entscheidende Faktor des ganzen Projekts, nicht die Lautsprecher.
Jeder Ton braucht eine Aufgabe. Atmosphären bauen Raum und Kontext. Bewegte Elemente zeigen, dass Lokalisation überhaupt funktioniert. Sprache hält die Dramaturgie zusammen. Was keine Aufgabe hat, fliegt raus, sonst wird es Lärm mit Anspruch.
Eine Kopfhörermischung gehört nicht auf Lautsprecher. Über Lautsprecher klingt sie blechern und weit weg, weil die Räumlichkeit schon im Signal steckt und der Raum eine zweite darüberlegt. Für Lautsprecher wird eigens gemischt. Das ist eine zweite Mischung, keine Konvertierung.
Zwei Stimmen gleichzeitig sind eine zu viel. Wenn eine Begleitperson mitspricht, während im Kopfhörer Sprache läuft, wird daraus Überstimulation. Das entscheidet man vorher, nicht vor Ort.
Der Raum ist Teil der Anlage. In einer Kuppel ist die Akustik kritisch, und wo ein Programm rein akustisch getragen wird, entscheidet der Raum mit, ob es funktioniert.
Über Lautsprecher kommt der Ton immer von außen. Das trägt einen Raum, in dem mehrere Menschen gleichzeitig stehen, und es braucht keine Ausgabe von Hardware an jeden Einzelnen.
Was über Lautsprecher nicht geht, ist der Eindruck, dass etwas von innen kommt oder direkt am Ohr sitzt. Und es gibt keine getrennten Zonen: Wer im Kopfhörer steckt, kann in eine akustische Blase treten, in der die Halle verstummt. Im realen Raum hört jeder alles.
Deshalb ist die erste Frage nie, was die bessere Technik ist, sondern was dein Raum und dein Publikum zulassen.
Bin ich vor der Umsetzung dabei, plane ich die Aufnahmen und die Wiedergabe so, dass sie zur Fläche passen. Dann liegt der Aufwand im erwartbaren Rahmen.
Teuer wird das Nachträgliche. Eine Lautsprecherposition, die erst beim Aufbau auffällt. Eine Sprachebene, die niemand mit der Begleitung abgestimmt hat. Ein Raum, dessen Akustik erst am Tag vor der Eröffnung gehört wird. Diese Posten tauchen alle auf, nur eben später und teurer.
Selten in der Technik. Meistens in der Zeit, die es kostet, brauchbares Material zu bekommen.
Für eine Naturinstallation habe ich pro Stelle zwanzig bis dreißig Minuten gebraucht, um ein paar Minuten sauberes Material zu bekommen, und dafür zusätzliche Wege gemacht, den Hang hoch und am Bach stromaufwärts. Nicht die Natur war das Problem, sondern Flugzeuge, Motorräder und Hunde. Jeder Meter Abstand zur Zivilisation ist später hörbar.
Das kommt oft vor und ist kein Grund, das Gespräch zu beenden. Drei Dinge helfen fast immer.
Priorisieren statt streichen. Nicht jede Zone braucht die volle Ausbaustufe. Meistens tragen ein oder zwei Momente die ganze Installation, und dorthin gehört der Aufwand.
Alles aus einer Hand. Beratung, Aufnahme und Postproduktion kommen bei mir aus demselben Kopf. Daraus lässt sich ein schlankes Paket schnüren: Ich bin in der Planung dabei, nehme selbst auf und mische danach. Was sonst zwischen drei Gewerken an Abstimmung, Übergabe und Nacharbeit anfällt, entfällt.
Früher fragen. Eine halbe Stunde vor der Ausschreibung verschiebt mehr als ein verdoppeltes Budget nach dem Aufbau.
Wann es sich nicht lohnt. Wenn auf deinem Event ausschließlich Menschen auf einer Bühne reden, brauchst du mich nicht. Bei einer Podiumsrunde lassen sich die Stimmen etwas auffächern, viel mehr ist da nicht zu holen. Interessant wird es, sobald es einen Raum gibt, den jemand betritt, oder eine Szene, in der etwas passiert.
Bei allen dreien habe ich beraten, selbst aufgenommen und gemischt. Der eine Raum ist mobil und läuft über Kopfhörer, der zweite fest installiert über Lautsprecher, der dritte stand vier Tage lang auf einer Messe. Das ist derselbe Beruf und jedes Mal ein anderer Bauplan.
Ein Container, der auf Festivals steht. Maximal vier Personen pro Durchlauf, Kopfhörer und eine Vibrationsweste, die den Ton in Echtzeit als Haptik überträgt.
Drei Geschichten für drei Zielgruppen, und alle drei mussten exakt gleich lang sein, damit der Durchlauf planbar bleibt. Bei der Premiere auf dem Surffestival auf Fehmarn haben sich knapp 500 Menschen als Spender registriert.
Eine feste Installation über Lautsprecher, 5.1.4, aufgenommen mit 24 Bit und 96 Kilohertz, damit die Postproduktion Luft hat.
Keine Library, sondern eigene Naturaufnahmen: Grillen in der Sommernacht, leise Bäche, Vögel im ersten Morgenlicht. Daraus wurde im Studio eine Klangkuppel gebaut, in der Vögel leicht über Kopfhöhe liegen und Wind breit um den ganzen Raum. Die Postproduktion ist im VDT-Magazin beschrieben.
Ein geschlossener Hörraum im Messestand, statt eines Lautsprechers auf einem Podest. Innen eine umlaufende Projektion über etwa 180 Grad und zehn Lautsprecher, in die Wände integriert und kaum sichtbar.
Die Regel lautete, nicht gegen den Hallenlärm anzukämpfen, sondern eine eigene Umgebung zu bauen. Besucher traten aus dem Messelärm in einen ruhigen Raum, blieben länger und erlebten das Produkt, statt es erklärt zu bekommen. Der Showroom war über die ganze Messe durchgehend gebucht.
Der eigentliche Aufwand steckte woanders: Ich habe den Mix in Deutschland an einem Testaufbau gemacht. Danach ging die Installation drei Monate lang per Schiff in die USA und wurde dort ohne mich aufgebaut. Wer so etwas plant, plant den Ton nicht für den Raum, sondern für einen Raum, den er nur aus Zeichnungen kennt.
Ich bin Martin Rieger, Tonmeister aus München, und mache seit über zehn Jahren nichts anderes als Ton für immersive Medien. Über hundert Projekte in zehn Jahren, unter anderem für Audi, Bugatti, Lufthansa Technik, die DKMS und BKW Engineering.
Ich arbeite allein und hole mir je nach Projekt Kolleginnen und Kollegen dazu. Das ist der Grund, warum ich ein Projekt von der ersten Frage bis zur Abnahme begleiten kann, statt es an der nächsten Schnittstelle abzugeben.
Für Museen und Ausstellungen gibt es eine eigene Seite: Ton für Museum und Ausstellung. Wie sich räumlicher Ton in zwei Minuten vorführen lässt, steht auf Hörprobe.
Als Set-Tonmeister war Martin Rieger aus München im Einsatz, der über Erfahrung mit Immersive Audio verfügt und sehr guten Set-Ton ablieferte.
Als Mikrofonsystem verwendete er auf meinen Wunsch hin ein „symme-trical" Schoeps ORTF-3D nach Günther Theile, dass mit acht räumlich getrennten Supernieren ausgestattet ist und für unseren Zweck eine „größere", räumlichere Wiedergabe bietet.
Das komplexe binaurale Sound Design mit eingesprochenen Texten war ein entscheidender Bestandteil meiner Theaterperformance The Holy Bitch Project und der Streamingfassung.
An der Zusammenarbeit mit Martin schätze ich besonders seinen Enthusiasmus, die Experimentierfreude und die Präzision.
Ich freue mich auf weitere gemeinsame Projekte.
Kannst du mir eine Hausnummer nennen?
Im Gespräch ja, sobald ich drei Dinge weiß: wie groß die Fläche ist, ob über Kopfhörer oder Lautsprecher wiedergegeben wird und wie lange jemand bleibt. Ohne diese Angaben wäre jede Zahl geraten, und geratene Zahlen werden später zur Nachforderung.
Gut, dann geht es nicht um Ersatz. Beschallung planen und räumlichen Ton gestalten sind zwei verschiedene Arbeiten. Die eine sorgt dafür, dass es überall gleich laut ankommt, die andere dafür, dass etwas an einer bestimmten Stelle im Raum passiert.
Ja, und das ist der richtige Weg. Beschreibungen bringen an dieser Stelle nichts. Im ersten Gespräch spiele ich dir etwas vor, das zu deiner Situation passt.
Zu früh gibt es nicht. Wenn erst die Fläche feststeht und noch kein Konzept, ist das der beste Moment. Zu spät gibt es fast genauso wenig, solange noch nichts bestellt ist. Die harte Grenze ist der Moment, in dem Lautsprecherpositionen und Statik festgezurrt sind.
Der erste Termin ist kurz und dient nur der Einordnung. Eine Viertelstunde, in der ich frage, worum es geht, wie der Raum aussieht, wann eröffnet wird und wer die Entscheidung trifft. Danach weißt du, ob sich das Thema für dich lohnt, und ich weiß, ob ich der Richtige bin.
Erst wenn beides passt, sprechen wir ausführlich über die Umsetzung. Über Google Meet, eine halbe Stunde reicht für den Anfang.
