Beschreiben lässt er sich nicht. Das ist kein Kommunikationsproblem, das ist die Sache selbst. Diese Seite sagt, wie eine Vorführung aufgebaut sein muss, damit sie in zwei Minuten funktioniert, auf einer Messe genauso wie im Videocall.
Erstes Gespräch anfragenDas ist die wichtigste Erkenntnis für jede Vorführung, und fast alle machen es andersherum. Man setzt jemandem Kopfhörer auf, schaltet die räumliche Fassung ein und wartet auf die Reaktion. Meistens bleibt sie aus.
Der Grund ist banal: An räumliches Hören gewöhnt man sich innerhalb von Sekunden, weil es unser Normalzustand ist. Wir hören seit der Geburt so. Auffällig wird es erst, wenn man die Illusion absichtlich kaputt macht.
Im Kurs wechsle ich deshalb live vom Kunstkopf auf ein normales Mikrofon. Aus einer Stimme, die neben dem Zuhörer im Raum steht, wird wieder eine langweilige Stimme mitten im Kopf. Genau in diesem Moment fällt der Groschen, nicht vorher.
So baue ich eine Vorführung auf. Vier Schritte, jeder dauert Sekunden.
Erst Mono. Ein Ansteckmikrofon mit sehr direktem Klang, das reine Direktsignal, ohne alles. Das ist der Nullpunkt, gegen den später verglichen wird.
Dann Panning. Spatializer an, Hall und Erstreflexionen noch aus. Jetzt wandert die Stimme nach rechts und links, Distanz lässt sich hinzufügen. Es passiert erkennbar etwas, und es klingt trotzdem noch nicht nach einem Raum.
Dann Hall. Der Raum kommt dazu, und die Stimme steht plötzlich irgendwo, statt zu schweben.
Dann die Erstreflexionen. Das ist der Schritt, bei dem die meisten zum ersten Mal hörbar erschrecken, weil der Raum eine Größe bekommt.
Und dann zurück auf Mono. Erst dieser letzte Schritt verkauft.
Das ist keine Schätzung, das ist die Realität an jedem Stand. Wer eine Vorführung baut, die fünf Minuten braucht, um zu wirken, hat für den Messeeinsatz nichts gebaut.
Was in zwei Minuten funktioniert: ein einziger Effekt, sauber vorgeführt, mit einem Vergleich davor und danach. Was nicht funktioniert: alles auf einmal zu zeigen. Ein Sound nach dem anderen überzeugt, das komplette Klangbild überfordert.
Ein Nebeneffekt, den ich unterschätzt hatte: Seit Vorführungen im Videocall normal geworden sind, brauche ich für viele Beispiele überhaupt keinen Stand mehr. Räumlicher Ton läuft über gewöhnliche Kopfhörer. Ich kann heute Dinge zeigen, die live ein Dutzend Lautsprecher gebraucht hätten, und zwar Leuten, die nie zu meinem Stand gekommen wären.
Weil sie ohne Einordnung getestet haben. Wer nicht weiß, worauf er achten soll, hört das Übliche und schreibt das Übliche. Räumlicher Ton fällt niemandem auf, solange es keinen Vergleich gibt, und ohne Vergleich klingt korrekt platzierter Ton einfach nur normal.
Selbst mir geht es an einer Stelle so: Bei einem fertigen Produkt ist oft nicht erkennbar, welche Technik gerade läuft und wo der Fehler liegt, wenn etwas nicht funktioniert. Das ist kein Anwenderproblem. Das ist eines der Hersteller, die ihre Verfahren nicht kennzeichnen.
Für eine Vorführung heißt das: Gib den Vergleich mit, nicht nur das Ergebnis. Wer die Wahl zwischen zwei Fassungen hat, hört den Unterschied in Sekunden. Wer nur eine bekommt, hört Musik.
Eine davon ging bewusst gegen meine eigene Position aus.
Viele XR-Erlebnisse sehen beeindruckend aus, und der Ton hält nicht mit. In dem Moment bricht die Illusion, und alles wirkt wie eine Simulation statt wie ein Erlebnis. Die Aufgabe war ausdrücklich nicht, ein Rennen zu simulieren, sondern Menschen in diesen Zustand zu versetzen.
Der schwierigste Teil war die Aufnahme des Formel-1-Wagens unter Extrembedingungen: enorme Lautstärke, Luftverwirbelungen, Vibrationen, abrupte Energiewechsel. Dort arbeitet jedes Mikrofon am Limit. Aufgenommen wurde die rohe akustische Energie direkt an der Quelle und danach in ein präzises räumliches System übersetzt, mit Fokus auf Richtung, Distanz und Druck. Umgesetzt nativ für die Brille, in Echtzeit gerendert.
Das ist eine Vorführung im Handel, also genau der Fall, für den die Zwei-Minuten-Regel gilt.
Ich habe mit Tonkollegen eine Hörsession gemacht, über ein 5.1.4-System, mit identischen Mischungen, ungefähr eine Stunde lang. Das Fazit war ernüchternd: Die meisten Titel klangen räumlicher und breiter, was aber nicht jedem Stück guttat. Vor allem verloren sie den Punch, den die flache Fassung hatte. Es gab Titel, bei denen es besser funktionierte, es ist stark titel- und genreabhängig.
Ich schreibe das hier hin, weil es zur Sache gehört. Eine Vorführung, die nur die guten Beispiele zeigt, überzeugt kurz und trägt nicht. Wer eine Investitionsentscheidung treffen soll, will wissen, wo es nicht funktioniert, und er merkt sofort, wenn ihm das verschwiegen wird.
Ich bin Martin Rieger, Tonmeister aus München, und seit zehn Jahren mache ich nichts anderes als Ton für immersive Medien. Über hundert Projekte, darunter Audi, BMW mit Harman/Kardon, Bugatti, Lufthansa Technik, die Deutsche Zentrale für Tourismus, die Europäische Kommission und Corridor Digital in Los Angeles.
Vorführen gehört bei mir zur Arbeit, nicht zum Vertrieb. Ich unterrichte das Thema an Hochschulen und in Workshops, und dort ist eine Vorführung, die nicht funktioniert, sofort sichtbar.
Für Hersteller, die ihr eigenes Produkt bewerten lassen wollen: Ob das Spatial Audio in deinem Produkt etwas taugt. Was räumlicher Ton beim Publikum auslöst, steht auf Was räumlicher Ton beim Zuschauer auslöst.
Unter dem Motto 'Technik trifft Kreativität' begeisterte Martin Rieger die Workshopteilnehmer*innen mit einem Vortrag über brandneue Entwicklungen im Bereich Spatial Audio.
Dabei führte er uns anhand praktischer Beispiele das immense Potential von immersiven Tontechnologien vor Augen.
Martin ist Experte für räumliches Audio und verfügt über ein tiefgreifendes Verständnis der Technologie und ihrer Auswirkungen auf das Hörerlebnis. Er hat eine klare Vorstellung von den Anwendungsfällen und deren zukünftiger Entwicklung.
Können wir eine Hörprobe vor der Beauftragung bekommen?
Ja. Fertige Beispiele aus abgeschlossenen Projekten kann ich zeigen, im Videocall über eure eigenen Kopfhörer.
Das ist Arbeit an eurem Projekt, also ein bezahlter Schritt. An einer Sound-Demo von rund einer Minute hängt real etwa eine Woche für den vollständigen räumlichen Mix.
Für die reine Vorführung reichen normale. Für Head-Tracking braucht es Modelle, die das unterstützen, und das ist längst nicht jedes.
Dann bauen wir es auf zwei Minuten und einen Effekt. Alles darüber hinaus sieht am Stand niemand zu Ende.
Das Gespräch läuft über Google Meet. Der Ort spielt keine Rolle.
Bevor wir über Technik reden, klären wir in einer Viertelstunde das Wesentliche: worum es geht, wem ihr es zeigen wollt, wann es stehen muss und wer bei euch entscheidet. Danach weiß ich, ob ich der Richtige bin, und du weißt, was es braucht.
Erstes Gespräch anfragen