Rennstrecke mit Reifenstapel und Curb, generische Streckenansicht

Motorsport-Livestream in 360° – Ambisonics an der Rennstrecke

Bei einem Fußballspiel gibt es einen Ort, an dem etwas passiert: das Spielfeld. Bei einem Rennen gibt es eine ganze Strecke. Für einen Motorsport-Livestream in 360° habe ich deshalb nicht eine, sondern mehrere Ambisonics-Positionen entlang der Rennstrecke eingerichtet. Über Auftraggeber und Veranstaltung spreche ich nicht, über das Verfahren schon.

Die 360°-Kameras standen an verschiedenen Abschnitten der Strecke. An jeder Kamera saß ein eigenes Ambisonics-Mikrofon, mit Windschutz gegen Fahrtwind und Wetter.

Vorbereitung des Rigging-Equipments mit Klemme, Klebeband und Werkzeug

Warum eine Rennstrecke mehrere Klangpunkte braucht

Ein Stadion hat eine Mitte, auf die sich das Publikum bezieht. Eine Rennstrecke hat keine Mitte, sie hat eine Linie, an der sich das Geschehen entlangbewegt. Wer den Zuschauer nur an einen Punkt setzt, verliert genau das, was ein Rennen ausmacht: das Herannahen und Vorbeiziehen der Fahrzeuge, das an jeder Stelle anders klingt, je nachdem wie die Strecke dort verläuft.

Deshalb bekam jede Position ihr eigenes Mikrofon direkt an der Kamera und nicht irgendwo daneben. So bilden Bild und Ton exakt denselben Ausschnitt der Strecke ab. Fährt ein Fahrzeug im Bild von links nach rechts, muss der Ton das genauso tun, sonst fällt die Illusion sofort auseinander.

Dazu kommt die Logistik. Anders als im Stadion, wo man in wenigen Minuten von einer Kameraposition zur nächsten kommt, liegt zwischen den Positionen an einer Rennstrecke echte Wegezeit. Jede Position braucht ihre eigene Befestigung, ihren eigenen Windschutz und ihre eigene Signalführung.

Wie aus einzelnen Positionen ein stimmiger Stream wurde

Jede Kamera-Mikrofon-Kombination lief für sich, musste aber am Ende in dieselbe Signalkette passen: gleicher Pegel, gleiche Grundlautstärke der Umgebung, keine Position, die plötzlich lauter oder heller klingt als die andere. Gleichzeitig klingt jede Stelle anders. Eine Gerade klingt nach dem Vorbeirauschen bei hoher Geschwindigkeit, eine Kurve nach Bremsen und Beschleunigen.

Bei einem klassischen TV-Ton reicht ein Abgriff vom Mischpult. Hier brauchte jede Position ihre eigene durchgängige Signalkette, weil die räumliche Information sonst schon vor der Auslieferung verloren geht.

Zwei Ambisonics-Mikrofone mit Fell-Windschutz, nah

Was dabei herauskam

Herausgekommen ist ein Livestream, der das Rennen über mehrere Positionen gleichzeitig in 360° mit Ambisonics zeigt. Wer mit VR-Brille oder Kopfhörer zuschaut, bekommt zu jeder Kameraposition den Klangraum, der wirklich zu dieser Stelle der Strecke gehört.

Für mich war das die Bestätigung eines Punkts, der bei Livestreams oft übersehen wird: Räumlicher Ton wächst nicht automatisch mit, nur weil man mehr Kameras aufstellt. Jede zusätzliche Position ist eine eigene akustische Aufgabe, von der Mikrofonposition bis zur Signalführung.

Häufige Fragen zu Livestreams in 360° mit räumlichem Ton

Warum reicht bei einer Rennstrecke nicht ein Mikrofon? Weil eine Strecke keine Mitte hat. Jede Kameraposition braucht den Klang ihrer Stelle, sonst passen Bild und Ton beim Vorbeifahren nicht zusammen.

Wo sitzt das Mikrofon bei einer 360°-Kamera? Direkt an der Kamera. Nur dann zeigen Bild und Ton denselben Ausschnitt und dieselbe Richtung.

Was ist bei mehreren Positionen am schwierigsten? Dass alle Positionen im Stream gleich laut und gleich hell klingen, obwohl die Umgebung an jeder Stelle anders ist.

Planst du eine Live-Übertragung mit räumlichem Ton?

Von der Mikrofonposition bis zur fertigen Signalkette, aus einer Hand.

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