Wie der Ton in den Förderantrag kommt

Ein Antrag nur für den Ton wirkt seltsam, und deshalb wird er meistens gar nicht gestellt. Der Ton rutscht in eine Sammelposition und verschwindet dort. Diese Seite sagt, wie er stattdessen im Paket auftaucht und warum ein Münchner Tonpartner für ein bayerisch gefördertes Projekt keine Geschmacksfrage ist.

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Warum Ton in Anträgen fast nie eine eigene Zeile ist

Er ist meistens keine eigene Position im Angebot, sondern eine Zeile unter Dreh oder Post. Damit ist er im Antrag unsichtbar, und was unsichtbar ist, wird beim Kürzen zuerst gestrichen.

Dazu kommt eine Größenlogik. Unter einer bestimmten Antragsumme lohnt der Aufwand für keine Seite, und ein Antrag ausschließlich für die Tonseite erreicht diese Schwelle praktisch nie. Der Weg heraus ist also nicht ein eigener Antrag, sondern eine eigene Zeile in einem breiteren Antrag. Das ist eine Formulierungsfrage und keine inhaltliche.

Ein dritter Punkt betrifft die Rolle. Kreative Leistung wird in Anträgen regelmäßig höher bewertet als reine Postproduktion. Wer den Ton als Dienstleistung am Ende beschreibt, bekommt ihn auch so bewertet. Wer ihn als gestaltenden Teil der Erzählung beschreibt, was er in immersiven Produktionen ohnehin ist, steht anders da.

Der Regionaleffekt ist das stärkste Argument, und er wird selten genutzt

Viele Länderförderungen verlangen, dass ein Teil des Geldes in der Region ausgegeben wird. Sobald das für euer Projekt gilt, ist die Wahl des Tonpartners keine reine Qualitätsfrage mehr.

Mein Honorar zählt für ein bayerisch gefördertes Projekt zu hundert Prozent auf den Regionaleffekt ein. Das eines gleich guten Kollegen aus Wien oder Berlin nicht. Damit bin ich in dieser Rechnung nicht austauschbar, und das ist ein Punkt, den ihr im Antrag aktiv nutzen könnt, statt ihn hinterher zu entdecken.

Diesen Satz stelle ich bewusst vor jede Preisdiskussion. Er ändert nämlich, worüber überhaupt verhandelt wird.

Was Fördergeld mit dem Dreh macht

Es macht ihn politisch, und das gehört in die Planung. Bei den Sounds-of-Germany-Filmen für die Deutsche Zentrale für Tourismus mussten alle vier Partnerstädte identisch behandelt werden, weil die Auftraggeberin selbst öffentlich gefördert wird. Jeder Clip gleich lang, jeder Ort gleich prominent.

Berlin argumentierte, man brauche eine Woche Dreh, weil die Stadt größer sei als Stuttgart. Woraufhin Stuttgart ebenfalls mehr Drehtage wollte. Am Ende waren es zwei Drehtage pro Stadt für alle vier. Die Auftraggeberin hat diese Diskussionen abgefangen, sodass sie nicht auf dem Set landeten.

Für die Tonplanung heißt das: Bei geförderten Projekten sind Drehzeiten oft gleichmäßig verteilt statt nach Aufwand. Wer den Ton plant, muss wissen, dass die schwierigste Location genauso wenig Zeit bekommt wie die einfachste.

Vier Punkte, die im Antrag stehen sollten

Ton als eigene Zeile, nicht als Sammelposition. Mit Beratung, Aufnahme und Postproduktion getrennt ausgewiesen. Sonst ist beim Kürzen nicht erkennbar, was wegfällt.

Die gestaltende Rolle benennen. In immersiven Produktionen führt der Ton den Blick. Das ist Erzählarbeit und sollte im Antrag auch so heißen.

Den Regionaleffekt ausrechnen. Welcher Anteil des Tonbudgets in der Region bleibt. Diese Zahl ist ein Argument, kein Nebensatz.

Den Ausspielweg festlegen. Mehrere Auslieferungen sind mehrere Mischungen. Wer das im Antrag nicht abbildet, hat den Betrag später nicht.

Zur Größenordnung des Tonanteils habe ich eine eigene Seite: Was 3D-Audio in einer Produktion kostet.

Zwei geförderte Produktionen

Beide für die Europäische Kommission, beide habe ich beraten, aufgenommen und gemischt.

EUsavesLives, Brüssel, Dänemark, Bangladesch

Die Europäische Kommission wollte zeigen, wie die EU weltweit in Krisensituationen hilft. Auftraggeber war die Abteilung für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz, das Ergebnis lief als VR-Erlebnis auf einer Roadshow.

Die Aufgabe war, drei völlig verschiedene Einsatzorte akustisch glaubwürdig zu machen und das Ganze anschließend in sieben Sprachen auszuliefern, ohne die räumliche Wirkung zu verlieren. Ich war für die Aufnahmen in Belgien, Dänemark und Bangladesch. In Brüssel das Koordinierungszentrum, wo der Ton die Betriebsamkeit und die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften tragen musste, sodass Entscheidungswege hörbar wurden. In Dänemark eine Erdbebenübung mit sehr dynamischem Material.

Sieben Sprachfassungen sind der Grund, warum die Stems von Anfang an getrennt geplant wurden. Nachträglich wäre das eine neue Mischung pro Sprache gewesen.

EUsavesLives 2, Kakuma

In der zweiten Runde ging es um Bildung statt um Nothilfe. Die Leitfrage war, wie der Alltag eines dreizehnjährigen Jungen aussieht, der aus seinem Leben in Somalia gerissen wurde.

Die Bedingungen waren schwierig: drei Flüge Anreise in ein 40 Grad heißes Camp, ein offenes und belebtes Setting mit lauten Umgebungsgeräuschen und wechselnden Bedingungen, in dem der Ton trotzdem über große Entfernungen klar bleiben musste. Gedreht wurde dokumentarisch in 360 Grad mit einem Team von vier Personen: Kameramann, Regisseur, Kameraassistenz und ich als Tonmeister. Ton über hochwertige Funkstrecken.

Das Ergebnis kam auf rund 5 Millionen Aufrufe, 30.000 Reaktionen und tausend Kommentare, ebenfalls in sieben Sprachen. Für einen Verwendungsnachweis ist das die Art von Zahl, die ein Antrag im nächsten Zyklus braucht.

Wer das macht

Ich bin Martin Rieger, Tonmeister aus München, und seit zehn Jahren mache ich nichts anderes als Ton für immersive Medien. Über hundert Projekte, darunter Audi, BMW mit Harman/Kardon, Bugatti, Lufthansa Technik, die Deutsche Zentrale für Tourismus, die Europäische Kommission und Corridor Digital in Los Angeles.

Ich schreibe eure Anträge nicht. Ich liefere den Teil, der die Tonposition begründbar macht: Leistungsbeschreibung, Aufwandsschätzung und die Angabe, welcher Anteil regional bleibt.

Wie du die Reichweitenfrage im Gremium beantwortest, steht auf Wie viele Leute sehen das überhaupt.

Wir können Martin Rieger als professionellen und kompetenten Partner bei Film- und Audioproduktionen empfehlen.

Die Zusammenarbeit im Rahmen unserer „Sounds of Germany" Kampagne war von der Kreativphase, über die Dreharbeiten bis hin zu Postproduktion äußerst angenehm, das finale Ergebnis erstklassig.

Deutsche Zentrale für Tourismus
London Office, Buckingham Palace Road

Martin Rieger ist ein echter Experte auf dem Gebiet der dreidimensionalen Audiotechnik.

Er verfügt über ein umfassendes Verständnis sowohl der akustischen als auch der psychoakustischen Aspekte des Klangs.

Dr Iain McGregor
Edinburgh Napier University

Häufige Fragen

Können wir einen Antrag nur für den Ton stellen?

In der Regel nicht sinnvoll. Die Summe ist dafür zu klein, und die Beschreibung wirkt für sich genommen seltsam. Der Ton gehört als eigene Zeile in ein breiteres Paket.

Wir sind Freelancer ohne Firma.

Dann könnt ihr bei vielen Förderern nicht selbst beantragen, und es braucht eine antragsberechtigte Produktion als Partner. Das ist eine Konstruktionsfrage, die früh geklärt gehört.

Wann braucht ihr eine Zahl von uns?

So früh wie möglich. Eine Aufwandsschätzung für den Antrag kann ich nach dem ersten Gespräch liefern, und sie ist belastbarer als eine geschätzte Sammelposition.

Zählt euer Honorar wirklich auf den Regionaleffekt ein?

Für ein bayerisch gefördertes Projekt ja, ich sitze in München. Für andere Länderförderungen kommt es darauf an, wie sie den regionalen Anteil definieren.

Wir sitzen nicht in München.

Das Gespräch läuft über Google Meet. Der Ort spielt für das Gespräch keine Rolle, für den Regionaleffekt schon.

Wie wir anfangen

Bevor wir über Zahlen reden, klären wir in einer Viertelstunde das Wesentliche: worum es geht, welcher Förderer, wann die Frist ist und wer bei euch entscheidet. Danach weiß ich, ob ich der Richtige bin, und du weißt, was für den Antrag gebraucht wird.

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