Rennstrecke mit Reifenstapel und Curb, generische Streckenansicht

Motorsport-Livestream in 360° – Ambisonics an vier Streckenpositionen

Bei einem Fußballspiel gibt es einen Ort, an dem etwas passiert: das Spielfeld. Bei einem Motorradrennen gibt es eine ganze Strecke. Für einen internationalen Motorsport-Livestream in 360° habe ich deshalb nicht eine, sondern mehrere Ambisonics-Positionen entlang der Rennstrecke aufgebaut. Über Auftraggeber und Wettbewerb darf ich nichts sagen. Über das Verfahren schon.

Drei feste 360°-Kameras standen an unterschiedlichen Streckenabschnitten, dazu eine mobile Kamera im Boxengasse-Bereich. An jeder Position saß ein eigenes Ambisonics-Mikrofon direkt am Kameragehäuse, ein Sennheiser Ambeo VR Mic, mit Windschutz gegen Fahrtwind und Wetter am Streckenzaun montiert.

Vorbereitung des Rigging-Equipments mit Klemme, Klebeband und Werkzeug

Warum eine Rennstrecke mehrere Klangpunkte statt eines Klangraums braucht

Ein Stadion hat eine Mitte, auf die sich das Publikum bezieht. Eine Rennstrecke hat keine Mitte, sie hat eine Linie, an der sich das Geschehen entlangbewegt. Wer den Zuschauer nur an einen Punkt setzt, verliert genau das, was ein Motorsport-Event ausmacht: das Herannahen und Vorbeiziehen der Fahrzeuge, das an jeder Position anders klingt, je nachdem wie die Strecke dort verläuft.

Deshalb wurde nicht mit einer zentralen Aufnahme gearbeitet, sondern mit mehreren unabhängigen Ambisonics-Punkten, die parallel liefen. Jede Position bekam ihr eigenes Mikrofon direkt an der Kamera, nicht irgendwo daneben, damit Bild und Ton exakt denselben Ausschnitt der Strecke abbilden. Wenn ein Fahrzeug im Bild von links nach rechts durchfährt, muss der Ton das genauso tun, sonst fällt die Illusion sofort auseinander.

Der Aufbau selbst war eine logistische Aufgabe für sich. Ein Team aus Technik, Kamera und Ton hat an einem einzigen Tag alle drei festen Positionen entlang der Strecke bestückt, dazu Serverracks vorbereitet und die mobile Kamera in der Boxengasse eingerichtet. Jede Position brauchte ihre eigene Stromversorgung, ihre eigene Funkstrecke und ihre eigene Befestigung am Zaun, oft in mehreren hundert Metern Entfernung von den Nachbarpositionen. Anders als bei einem Stadion, wo sich das Team in wenigen Minuten von einer Kameraposition zur nächsten bewegt, liegt zwischen den Positionen auf einer Rennstrecke echte Fahrtzeit.

Wie aus vier Einzelpositionen ein konsistentes Signal wurde

Jede Kamera-Mikrofon-Kombination lief unabhängig, musste aber am Ende in dieselbe Signalkette passen. Das bedeutet: gleicher Pegel, gleiche Grundlautstärke der Umgebung, keine Position, die plötzlich lauter oder heller klingt als die andere, nur weil sie näher an einer Lautsprecheranlage oder einer belebten Tribüne stand. Bei einer Rennstrecke kommt dazu, dass sich die Geräuschkulisse an jeder Position fundamental unterscheidet: Boxengasse klingt nach Werkzeug, Funk und Motoren im Stand, eine Gerade klingt nach dem Vorbeirauschen bei hoher Geschwindigkeit, eine Kurve nach dem Bremsen und Beschleunigen.

Das gesamte Setup lief über einen Technik-Container auf dem Gelände, in dem die Signale aller Positionen zusammengeführt und weiterverteilt wurden. Anders als bei einem klassischen TV-Ton, bei dem ein Mischpultabgriff reicht, brauchte jede Position hier ihre eigene durchgängige Signalkette bis in den Verteiler, weil die räumliche Information sonst schon vor der Auslieferung verloren geht.

Zwei Ambisonics-Mikrofone mit Fell-Windschutz, nah

Was am Ende eine mobile Motorsport-Übertragung möglich machte

Herausgekommen ist ein Setup, das ein internationales Motorsport-Event über mehrere feste und eine mobile Position gleichzeitig in 360° mit Ambisonics abdeckt, statt sich auf einen einzelnen Kommentatorenplatz zu verlassen. Wer die Übertragung mit Headset oder Kopfhörer verfolgt, bekommt für jede Kameraposition den Klangraum, der tatsächlich zu dieser Stelle der Strecke gehört.

Für mich war das die Bestätigung eines Punkts, der bei Livestreams oft übersehen wird: Räumlicher Ton skaliert nicht automatisch mit, nur weil man mehr Kameras aufstellt. Jede zusätzliche Position ist eine eigene akustische Aufgabe, die von der Mikrofonwahl bis zur Signalführung mitgedacht werden muss, sonst bleibt von der Immersion am Ende nur ein zusätzlicher Kanal übrig, der niemandem etwas sagt.

Planst du eine Live-Übertragung mit räumlichem Ton?

Von der Mikrofonposition bis zur fertigen Signalkette, aus einer Hand.

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