Klassischer Set-Ton in Stereo ist eigentlich nicht mein Angebot. Mein Thema ist räumliches Audio. Wenn ich trotzdem die Tonangel in die Hand nehme, dann weil das Projekt es hergibt oder weil kurzfristig jemand ausfällt. Die Technik steht ohnehin im Haus, auf dem Niveau, das eine Produktion erwartet.
Gebucht haben mich dafür immer Produktionsfirmen, nie die Marke direkt.
Das ist keine Untertreibung, das ist der Punkt. Der Ablauf ändert sich nicht, egal ob eine Nationalspielerin, ein Wissenschaftler oder ein ehemaliger Rennfahrer vor der Kamera sitzt. Dennoch heißt es, immer bereit zu sein, das Unvorhersehbare zu ahnen und sich auf Eventualitäten einzustellen.
Ansteckmikrofone werden unter der Kleidung verkabelt. Ein sichtbares Mikrofon holt den Zuschauer sofort aus der Szene.
Ein Anstecker allein klingt dünn und ändert sich mit jeder Kopfbewegung.
Die Angel liefert den Klang, der nach einem Menschen in einem Raum klingt statt nach einem Mikrofon am Kragen.
Ich fahre ein durchgängiges System eines Herstellers, damit sich der Gain von der Empfängerseite regeln lässt. So muss niemand ein zweites Mal angefasst werden.
Im Sender läuft parallel eine Aufnahme auf Speicherkarte, falls die Strecke aussetzt.
Alle hören mit, was tatsächlich ankommt, und nicht das, was man am Set zu hören glaubt.
Wer gleich über persönliche Dinge sprechen soll, braucht jemanden, der das Verkabeln schnell und unaufgeregt hinter sich bringt und danach nicht mehr auffällt.
Über den Kopfhörer höre ich als Erster, wenn eine Antwort noch nicht sitzt oder eine Frage anders gestellt besser laufen würde.
Dazu kommt eine Rolle, die in keinem Angebot steht. Wenn es der Regie recht ist, sage ich das. Es ist der günstigste Moment, es zu korrigieren.
Sechsteilige Gesprächsreihe zur Fußball-WM der Frauen. Lena Cassel im Gespräch mit Nationalspielerinnen, unter anderem Lina Magull und Laura Freigang. Gedreht in einer Industriehalle, in einem vollständig mit Kunstrasen ausgelegten Raum und draußen auf dem Platz. Drei Orte, drei verschiedene Tonprobleme: Nachhall und Trittschall in der Halle, Dumpfheit im Kunstrasenraum, Wind und Distanz auf dem Platz.
Zum ausführlichen CaseInterviewdreh in einem Münchner Hochhaus mit Panoramablick über die Stadt, unter anderem mit Harald Lesch. Eine Fensterfront von Boden bis Decke sieht großartig aus und ist für den Ton ein harter Raum: viel Glas, viel Reflexion, wenig, das schluckt.
Dreh im Greenscreen-Studio. Der Raum, den man später sieht, kommt aus dem Rechner, also darf der Raum, den man aufnimmt, gar nicht erst mit ins Signal. Immersive Mikrofonarrays helfen hier nicht weiter, sie nehmen das Studio auf. Was den Tag rettet, sind Tonangel und Ansteckmikrofon.
Studiodreh für die YouTube-Reihe von Porsche: weiße Hohlkehle, Rennwagen, Kamerakran. Ein Studio ohne Möbel und ohne Vorhänge ist akustisch eine große leere Box. Der Kran bewegt sich, die Sprecher bewegen sich mit, und die Angel muss beidem folgen, ohne ins Bild zu geraten.
Interviews im Büro, gedreht im laufenden Gebäude. Solche Orte klingen selten still: Lüftung, Schritte auf Holz, Türen, Kollegen im Hintergrund. Das meiste davon lässt sich nicht abstellen, also wird es beim Aufbau eingeplant statt hinterher beklagt.
Ich bin Martin Rieger, Tonmeister aus München. Mein Schwerpunkt ist räumliches Audio, und dafür war ich auf Drehs quer über die Welt unterwegs, von der Industriehalle bis zum Berggipfel. Set-Ton mache ich aus derselben Routine heraus: Wer gelernt hat, einen Raum sauber einzufangen, bekommt auch ein Interview sauber aufgenommen.
Meine Filmografie steht bei Crew United.
Für immersive Produktionen gilt ein anderer Bauplan: Was am 360-Grad-Set aufgenommen werden muss und Ton planen, bevor gedreht wird.
Bevor wir über Technik reden, klären wir in einer Viertelstunde das Wesentliche: worum es geht, wo gedreht wird, wann der Drehtag ist und wer bei euch entscheidet. Danach weiß ich, ob ich der Richtige bin, und du weißt, was es braucht.
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