Martin Rieger with headset microphone in front of the tmt33 screen at the 33rd Tonmeistertagung in Düsseldorf

Die 33. Tonmeistertagung: 3D-Audio jenseits der Musik

12.11.2025 - 15.11.2025
09:30 Uhr
CCD Congress Center Düsseldorf

Vom 12. bis 15. November 2025 lief im CCD Düsseldorf die 33. Tonmeistertagung, Europas führender Kongress für Audioprofis. Ich war mit einem Vortrag über den Teil von 3D-Audio dort, der nichts mit Musik zu tun hat.

Vier Tage Vorträge, Workshops und Ausstellung, veranstaltet vom VDT. Die Tonmeistertagung findet alle zwei Jahre statt und ist der Ort, an dem die deutschsprachige Audiobranche abgleicht, was tatsächlich funktioniert.

Mein Vortrag: Extrem und praktisch

Der Titel war „Extrem und praktisch: Wo 3D-Audio echten Mehrwert bietet, über Musik hinaus“. Was auf Audiokonferenzen gezeigt wird, ist meistens Musik. Immersive Mischungen, Höhenkanäle, ein neuer Renderer. Das ist der bequeme Teil des Fachs, und es ist gleichzeitig der Teil, bei dem sich der Nutzen am schwersten belegen lässt.

Ich habe deshalb zwei Projekte mitgebracht, in denen der Ton keine Verzierung ist. In beiden ist Audio die Bedienoberfläche, und wenn er nicht funktioniert, funktioniert gar nichts.

Audio Game „Ajo“

Ein Spiel ohne Bild, gebaut um die Frage, wie gut man sich mit einem Echo orientieren kann. Der ganze Fall steht in meinem Portfolio: der Escape Room Ajo ohne Bild.

Der Versuchsaufbau war ein kleiner Escape Room in einer Game Engine, von oben gesehen. Mehrere Quellen im Raum: Schritte, Wasserplätschern, ein Vogelnest, ein Sicherungskasten, Regale. Gesteuert wird per Smartphone, gedreht wird in festen Winkeln, erst 90 Grad, später 45. Ein Sonar-Trigger sendet ein Ping, und das System antwortet mit Ton, abhängig von Richtung und Entfernung. Die Aufgabe ist, den Ausgang allein über das Hören zu finden.

„SmartAIs“: Navigation für Blinde

Das Projekt ist hier dokumentiert: SmartAIs, akustische Gefahrenerkennung für Blinde. Ein Münchner Start-up hat mich gefragt, was im Alltag die größte Stolperfalle für blinde Menschen ist. Meine spontane Antwort war die Bordsteinkante oder unebenes Pflaster. Falsch. Der Blindenstock tastet den Boden erstaunlich gut ab. Das echte Problem liegt höher: E-Scooter quer über dem Gehweg, auf Hüfthöhe, wo kein Stock sie findet.

Die App nutzt den LiDAR-Scanner des iPhones, getragen an der Brust, und meldet, was im Weg steht. Am längsten gedauert hat nicht die Technik, sondern eine Entscheidung. Ein Blindenhund führt, ein Stock warnt, und das sind zwei verschiedene Arten von Verantwortung. Herausgekommen sind drei Richtungen, links, rechts und geradeaus. Wer nach vorne geht, braucht kaum Informationen von hinten.

Warum diese beiden

Beide Projekte beantworten die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: wofür 3D-Audio eigentlich gut ist, wenn man die Musik einmal weglässt. In einem Spiel ohne Bild und in einer App für blinde Nutzer ist Ton kein Effekt obendrauf. Er trägt die Information. Genau das wollte ich in Düsseldorf zeigen, und genau das ist auch meine Arbeitsgrundlage: Ton für immersive Produktionen.

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