Ein Orchester ist der älteste funktionierende Schwarm. Lauter Einzelne, die während des Spielens kein Wort miteinander wechseln und trotzdem gemeinsam ankommen, weil jeder hört, was die anderen tun, und ahnt, was als Nächstes kommt. Genau daran hat Audi das Prinzip erklärt, nach dem vernetzte Fahrzeuge einmal fahren sollen: Antizipation durch Partizipation. Der Dirigent kennt die ganze Partitur, so wie ein Backend den ganzen Verkehr kennt.
Für diesen Film habe ich die Musik komponiert, die Aufnahme des Orchesters vor Ort gemacht und danach Mischung und Sounddesign. Auftraggeber war die Audi AG, produziert hat FilmCrew Media in München, Regie führten Kevin und Toby Schmutzler.
Ein Film, dessen ganze Aussage Vorwegnahme ist, lässt sich nicht nachvertonen. Wenn ein Orchester im Bild spielt, muss es etwas Echtes spielen. Musiker, die zu nichts spielen, sehen aus wie Musiker, die zu nichts spielen: Die Bögen liegen daneben, die Einsätze wirken geraten, der Dirigent dirigiert ins Leere.
Also stand die Komposition vor dem Drehtag. Das Stück war fertig, bevor die erste Klappe fiel. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist aber der teure Teil: Man legt sich musikalisch fest, bevor ein einziger Frame existiert, und muss dabei schon wissen, wo der Film Luft braucht und wo er zumacht.
Für Marken ist das der Unterschied zwischen einem gekauften Track und eigener Musik. Ein Katalogstück wird unter ein fertiges Bild gelegt und kann nur noch passen oder nicht. Eigene Musik darf die Dramaturgie mitbestimmen, weil sie zuerst da ist.
Das inhaltliche Gerüst der Musik ist ein Wechselspiel. Das Orchester spielt eine Figur, der Synthesizer antwortet darauf. Dann wieder das Orchester, dann wieder die Elektronik. Die beiden reden erst gegeneinander, dann miteinander, und am Ende laufen sie zu einer gemeinsamen Sinfonie zusammen.
Das ist keine Spielerei mit Klangfarben, sondern die Übersetzung der Markenaussage in eine musikalische Form. Auf der einen Seite der Mensch, das Handgemachte, das leicht Unpräzise, das ein Orchester ausmacht. Auf der anderen die elektronische Komponente. Dass beide sich am Schluss nicht ablösen, sondern ergänzen, ist die ganze Botschaft.
Man hätte das Stück auch mit Sample-Bibliotheken bauen können. Für den Ton allein wäre der Unterschied kleiner, als viele denken, moderne Orchesterbibliotheken sind gut.
Nur trägt dieser Film seine Aussage im Bild. Wer erklären will, dass ein Schwarm funktioniert, weil die Einzelnen aufeinander reagieren, muss Einzelne zeigen, die aufeinander reagieren. Ein Blick zwischen zwei Cellistinnen, ein Einsatz, der eine Idee zu früh kommt, ein Dirigent, der jemanden zurücknimmt. Das lässt sich nicht programmieren und auch nicht nachstellen, wenn die Leute im Bild nur so tun als ob.
Deshalb war die Reihenfolge festgelegt: erst die Komposition, dann Musiker, die sie am Set wirklich spielen, dann die Kamera. Der Aufwand steckt nicht im Klang, er steckt in der Glaubwürdigkeit des Bildes.
Gedreht wurde in einer leerstehenden Industriehalle mit einer Lichtinstallation, Nebel und einem Kamerakran. Für das Bild ist so ein Ort ein Geschenk. Für den Ton ist er das Gegenteil eines Aufnahmestudios.
Es war Nacht, draußen zwei Grad. Kälte hält kein Instrument über eine Drehnacht stabil, und sie wirkt nicht auf alle gleich: Holz und Saiten reagieren anders als Felle. Eine Halle ohne akustische Behandlung hat eine lange, unkontrollierte Nachhallfahne. Parallel arbeitet eine Filmcrew mit Kran, Dolly, Nebelmaschine und Funkgeräten, und nichts davon lässt sich abstellen, weil der Dreh der Grund ist, warum alle da sind.
Die Aufnahme muss unter diesen Bedingungen zwei Dinge gleichzeitig liefern: genug Substanz, um daraus eine tragfähige Mischung zu bauen, und genug Nähe zur Komposition, damit das, was im Bild passiert, zu der Musik passt, die schon existiert.
Komposition, Aufnahme, Mischung und Sounddesign lagen bei mir. Bei Markenfilmen ist das eher die Ausnahme, meistens sind das drei oder vier Gewerke mit ebenso vielen Übergaben.
Aus einer Hand hat einen konkreten Vorteil, und er zeigt sich genau an so einem Drehort. Wer die Komposition geschrieben hat, weiß bei der Aufnahme, welche Stimme später tragen muss und welche nur Farbe ist. Wer aufgenommen hat, weiß in der Mischung, warum eine Spur klingt, wie sie klingt, und ob sich das reparieren lässt oder ob es der Raum war. Und wer mischt, kann das Sounddesign so anlegen, dass es die Musik nicht zudeckt, sondern in ihre Lücken fällt.
Bei einem Film über Schwarmintelligenz ist das nicht ohne Ironie: Das Ergebnis wird gut, weil die Teile voneinander wissen.
Der Film läuft seit dem 16. Januar 2019 auf dem Kanal von Audi Deutschland. Das Auto wurde getrennt gedreht, in Spanien, weil das Fahrzeug die Kälte nicht mitgemacht hätte. Das Orchester stand in Deutschland.
Mein Anteil: die Komposition, die Aufnahme des Orchesters am Set, die Mischung und das Sounddesign.
Komposition, Aufnahme und Mischung aus einer Hand, von der ersten Skizze bis zur Fassung, die unter dem fertigen Schnitt trägt.
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