Kein Preisschild, sondern die Positionen, aus denen sich der Preis zusammensetzt.
Was dein Projekt kostet, hängt an drei Dingen, die du längst weißt. Diese Seite zeigt, an welchen.
„Ich habe keine Ahnung, was so etwas kostet.“ Der Satz fällt in fast jedem Erstgespräch, und er ist kein Zeichen von Unerfahrenheit.
Er liegt an der Kalkulation. Ton hat in den meisten Produktionsbudgets keine eigene Zeile. Er steckt unter „Dreh“, zusammen mit Kamera, Licht und Crew. Was dort am Ende übrig bleibt, geht an den Ton.
Solange so gerechnet wird, kann dir niemand einen Preis nennen. Es gibt keine Position, gegen die man rechnen könnte.
Die Zahl ist nicht ausgedacht, sie kommt aus dem Film. Dort gilt als Richtwert, dass rund zehn bis fünfzehn Prozent des Budgets auf den Ton entfallen sollten: Aufnahme, Musik oder Komposition, dazu die vollständige Postproduktion samt Geräuschemachern. Für immersive Produktionen halte ich das für übertragbar, je nach Projekt bis zwanzig Prozent.
Was mir in der Praxis begegnet, sind eher zwei Prozent. Der Rest heißt dann, das macht der Entwickler mit, da tun wir Töne rein, das passt schon.
Der Grund für die Zahl ist eine Rechnung über Risiko, keine Meinung über Wertschätzung. Wer den Ton am Anfang kürzt, verschiebt das Problem ans Ende des Projekts. Dorthin, wo es am teuersten zu beheben ist, und manchmal gar nicht mehr.
In diesen zehn bis zwanzig Prozent stecken drei Dinge: die Beratung vor dem Dreh, die Aufnahme, die Postproduktion. Fällt eines weg, verschiebt sich der Aufwand auf die beiden anderen. Er verschwindet nicht.
Das Missverständnis, das die meisten Kalkulationen ruiniert: Man hält immersiven Ton für teuer, weil die Technik teuer sei. Was den Preis macht, ist die Art des Projekts. Dreißig Schauspieler und eine Crew mit Kamerakran sind etwas anderes als drei Leute in einem Bergwerk, und für den Ton gilt das genauso wie für alles andere am Set.
Drei Größen bestimmen praktisch alles:
Wie viele Quellen einzeln hörbar sein müssen. Jede Stimme, die verstanden werden soll, und jedes Detail, das auffallen soll, ist eine eigene Aufnahme. Ein Raumklang ist eine Quelle. Zwölf Sprechende in einer Szene sind zwölf.
Wie viele Ausspielwege es gibt. Eine Kuppel, ein Headset und ein Upload sind drei Mischungen. Nicht eine Mischung mit drei Exporten.
Wann du fragst. Vor dem Dreh ist Ton eine Planungsfrage. Nach dem Dreh ist er Reparatur, und Reparatur kostet ein Vielfaches.
Zwei Verhältnisse, mit denen ich grob rechne, bevor irgendetwas feststeht:
Pro Aufnahmetag zwei Tage Nachbearbeitung. Das ist der Normalfall bei linearem Material.
Interaktive Projekte etwa das Vierfache. Sobald jemand selbst etwas auslöst, reicht eine fertige Tonspur nicht mehr. Atmosphären brauchen Schleifen, damit sie im Hintergrund nicht abreißen, und jeder Ton, der an eine Handlung gekoppelt ist, muss einzeln vorliegen. Man weiß ja nicht, wann jemand die Tür aufmacht.
Wie stark das auseinandergeht, zeigt eine Sound-Demo von etwa einer Minute, die ich einmal in beiden Fassungen gebaut habe: flach mit Effekten und Musik war sie nach ein bis zwei Stunden vorführbar. Der vollständige räumliche Mix hat eine Woche gedauert.
Wenn Ton als eine Zeile unter „Dreh“ geführt wird, rutschen regelmäßig fünf Dinge durch. Diese Posten tauchen später trotzdem auf, dann als Nachforderung.
Der Formatentscheid. Welches Tonformat zu deiner Zielplattform passt. Wird das erst in der Postproduktion geklärt, ist der Dreh bereits in die falsche Richtung gelaufen.
Der Ton am Drehtag. Nicht nur ein Mikrofon im Budget, sondern jemand, der es bedient und mitdenkt.
Aufnahmen, die nicht am Set entstehen. Atmosphären, Details, Sprache im Studio.
Die Mischung pro Ausspielweg. Eine je Weg, siehe oben.
Ausspielung und Prüfung. Encoding, und danach ein Test auf dem Gerät, auf dem es am Ende wirklich läuft.
Der letzte Punkt fehlt am häufigsten und fällt am spätesten auf.
Wer 360 Grad dreht, will, dass sich das Publikum umsieht. Das ist der ganze Punkt der Übung. Und die Blickführung übernimmt der Ton: Man hört, dass jemand zur Tür hereinkommt, lange bevor man ihn sieht.
Das ist keine Geschmacksfrage, das ist gemessen. Zusammen mit der LMU München habe ich es untersucht und 2018 auf der Tonmeistertagung veröffentlicht, begutachtet von der AES. Zwei Gruppen mit je zwanzig Personen sahen denselben Film von 9:26 Minuten, eine mit räumlichem Ton, eine ohne. Niemand wusste, worum es in der Studie ging. Die Kopfrichtung wurde sechzigmal pro Sekunde aufgezeichnet.
99 gegen 149 Blick-Hotspots. Ohne räumlichen Ton zerfiel die Aufmerksamkeit in deutlich mehr Punkte. Sobald zwei Reize gleichzeitig auftraten, jemand sprach an einer Stelle und etwas bewegte sich an einer anderen, spaltete sich der Blick.
Der Blick blieb an Nebensächlichkeiten hängen. Details ohne eigenen Ton zogen ausgerechnet dort mehr Aufmerksamkeit, wo der Ton flach war.
Niemand konnte unterscheiden, wer spricht. Ohne Lokalisation klingt eine Person im Bild genauso wie eine Stimme aus dem Off, nämlich im Kopf. Mit räumlichem Ton ist sofort klar, wer im Raum steht und wer erzählt.
Eine Teilnehmerin erklärte im Interview, warum sie sprechende Personen länger ansah: Es habe sich unhöflich angefühlt wegzuschauen.
Der Vergleich war dabei streng gegen das eigene Ergebnis gerechnet. Die flache Fassung war ein binauraler Abzug und enthielt damit noch Rauminformation. Der gemessene Unterschied ist die Untergrenze, nicht die Obergrenze.
Rothe (LMU München) und Rieger, 30. Tonmeistertagung / VDT International Convention 2018, AES Reviewed Paper.
Hier steckt der Posten, den jede Kalkulation übersieht. Wenn ich vor dem Dreh dabei bin, plane ich die Aufnahmen so, dass sie in den Drehtag passen. Dann liegt der Aufwand nicht wesentlich über dem einer flachen Produktion.
Teuer wird das Gegenteil. Töne, die nachträglich eingesammelt werden, halten die ganze Produktion auf, und genau das kostet Geld. Niemand will für die Überstunden verantwortlich sein, weil noch schnell ein Geräusch gebraucht wird, das in jeder Bibliothek liegt.
Dazu kommt: Eine 360-Produktion verzeiht weniger als ein normaler Dreh. Es kann mehr schiefgehen, und man muss es beim ersten Mal treffen. Deshalb gehört das Gespräch vor den Drehtag und nicht in die Postproduktion.
Derselbe 360-Grad-Ausschnitt, einmal räumlich und einmal flach. Kopfhörer aufsetzen und umschalten.
Das kommt oft vor und ist kein Grund, das Gespräch zu beenden. Vier Dinge helfen fast immer.
Priorisieren statt streichen. Nicht jede Szene braucht die volle Ausbaustufe. Meistens tragen zwei oder drei Momente die ganze Produktion, und dorthin gehört der Aufwand. Der Rest darf einfacher sein.
Alles aus einer Hand. Beratung, Aufnahme und Postproduktion kommen bei mir aus demselben Kopf. Daraus lässt sich ein schlankes Paket schnüren: Ich bin vorher im Gespräch dabei, stehe am Drehtag selbst am Set und mische danach. Was sonst zwischen drei Gewerken an Abstimmung, Übergabe und Nacharbeit anfällt, entfällt.
Früher fragen. Eine halbe Stunde vor dem Dreh verschiebt mehr als ein verdoppeltes Postproduktionsbudget danach.
Förderung mitdenken. Bei geförderten Projekten gilt der Regionaleffekt: Das Geld muss dort ausgegeben werden, wo es herkommt. Wer das früh weiß, kann die Tonpositionen so aufteilen, dass sie förderfähig bleiben. Wer es spät erfährt, hat ein Problem, das mit Ton nichts zu tun hat.
Zwei von über hundert Produktionen aus zehn Jahren. Bei beiden habe ich beraten, selbst aufgenommen und die Postproduktion gemacht. Die eine war nach einer Woche fertig, die andere brauchte ein Vierteljahr. Am Format lag der Unterschied nicht.
Ein Boxkampf in 360 Grad, von der Trainingsvorbereitung bis in den Ring. Konzept, Aufnahme und fertige Mischung lagen in einer einzigen Woche.
Direktmikrofone für Schläge und Bewegung, Ambisonics für Halle und Publikum. In der Postproduktion flog ein Traktor aus der Einlaufsequenz, ohne dass die Halle ihre Akustik verlor. Kurze Produktion, hoher Aufwand pro Tag.
Vier Städte, vier Filme von je zwei Minuten, dazu ein Trailer. Knapp einen Monat Dreh quer durch Deutschland, danach über zwei Monate Postproduktion.
Gedreht wurde zu zweit, Kameramann und ich. Rund acht Orte pro Stadt, aus deren Tönen sich der Beat aufbaut. Unter dem Strich knapp zehn Minuten fertiges Material und ein Vierteljahr Arbeit. Langer Zeitraum, weil jeder Ton einzeln gesucht wurde.
Ich bin Martin Rieger, Tonmeister aus München, und mache seit über zehn Jahren nichts anderes als Ton für immersive Medien.
Über hundert Projekte in zehn Jahren, unter anderem für Audi, BMW mit Harman/Kardon, Bugatti, Lufthansa Technik und die Deutsche Zentrale für Tourismus. Ich arbeite als Einzelperson und buche je nach Projekt Kolleginnen und Kollegen dazu. Das ist der Grund, warum ich dir sagen kann, welche Position in deiner Kalkulation fehlt: Ich habe sie in den meisten Projekten selbst nachgetragen.
Wie der Tonplan vor dem Dreh aussieht, steht auf Ton planen, bevor gedreht wird. Wenn Fördergeld im Spiel ist: Wie der Ton in den Förderantrag kommt.
Wir können Martin Rieger als professionellen und kompetenten Partner bei Film- und Audioproduktionen empfehlen.
Die Zusammenarbeit im Rahmen unserer „Sounds of Germany“ Kampagne war von der Kreativphase, über die Dreharbeiten bis hin zu Postproduktion äußerst angenehm, das finale Ergebnis erstklassig.
Für unsere XR-Demo wollten wir die bestmögliche Qualität. Dafür brauchten wir spezielle Aufnahmen und eine passende Postproduktion. Uns war klar, dass Martin genau der Richtige ist, um uns durch den gesamten Prozess zu begleiten und das beste immersive Audio umzusetzen, das wir uns vorstellen konnten.
Die Zusammenarbeit war unterhaltsam, spannend und professionell.
Kannst du mir eine Hausnummer nennen?
Im Gespräch ja, sobald ich drei Dinge weiß: wie lang das Stück ist, wie viele Quellen einzeln hörbar sein müssen und wo es abgespielt wird. Ohne diese Angaben wäre jede Zahl geraten. Geratene Zahlen sind entweder zu hoch und schrecken ab oder zu niedrig und werden später zur Nachforderung.
Dann geht es meist nicht um Ersatz, sondern um die Frage, ob das Format zur Zielplattform passt. Ein erfahrener Toningenieur ist nicht automatisch für räumlichen Ton eingerichtet. Das ist ein eigenes Handwerk mit eigenen Werkzeugen.
Ein Gespräch vor dem Dreh und ein schriftlicher Tonplan. Damit arbeitet dein bestehendes Team weiter, ohne dass am Drehtag Dinge passieren, die sich später nicht mehr korrigieren lassen.
Zu früh gibt es nicht. Wenn erst eine Idee da ist und noch kein Drehplan, ist das der beste Moment, weil dann noch alles offen ist. Zu spät gibt es fast genauso wenig: Beraten und mischen lässt sich bis zuletzt. Die einzige harte Grenze ist der letzte Drehtag. Was am Set nicht aufgenommen wurde, existiert nicht.
Der erste Termin ist kurz und dient nur der Einordnung. Eine Viertelstunde, in der ich frage, worum es geht, wo das Ergebnis abgespielt wird, wann gedreht wird und wer die Entscheidung trifft. Danach weißt du, ob sich ein längeres Gespräch lohnt, und ich weiß es auch.
Passt es, folgt das eigentliche Gespräch über die Produktion. Erst dort geht es um Umfang, Zeitplan und Größenordnung.
Schick mir vorher, was da ist: Drehplan, Skript, Zielplattform. Wenn es nur eine Idee gibt, reicht die auch.
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