Am 14. Oktober 2022 stand der erste Dreamliner der Lufthansa in Halle 7 am Frankfurter Flughafen, dem früheren A380-Hangar. Rund 1.500 Gäste in Frankfurt, etwa 700 in München, beide Hallen per Livestream verbunden, dazu Carsten Spohr und Boeing-Chef Stan Deal auf der Bühne. Für den Abend hatte die Generalunternehmer-Agentur Eisele Communications acht Wochen Vorlauf. Für eine Produktion dieser Größe ist das extrem kurz.
Zu mir kam der Auftrag über die Stein Group aus München, die für Visualisierung und Projection Mapping verantwortlich war. Zusammen mit Giovanni habe ich die Musik und das Sounddesign für die Show geschrieben, am Audiokonzept mitgearbeitet und die Mischung gemacht.
Das Konzept hieß Runway. Der Dreamliner war die Schönheit des Abends, also wurde die Show wie eine Modenschau angelegt: Ein beleuchteter Laufsteg führte vom Hangartor quer durch die Halle direkt auf das Flugzeug zu, links und rechts stiegen die Tribünen an. Hinter den Tribünen hingen riesige LED-Flächen, der Catwalk selbst leuchtete, und der Rumpf des Flugzeugs war die größte Projektionsfläche im Raum.
Ein Hangar ist allerdings eine Werkstatt. Er ist dafür gebaut, Flugzeuge zu warten, nicht dafür, dass zweitausend Menschen Sprache und Musik verstehen. Blech, Beton, enormes Volumen, eine Nachhallzeit, die beidem nicht entgegenkommt. Dazu kam ein Ablauf ohne Puffer: ein Countdown, der die Gäste auf die Tribünen führt, ein virtueller Take-off als Auftakt, Ansprachen, die symbolische Schlüsselübergabe von Boeing an Lufthansa, die Crew vom Überführungsflug aus Seattle, mehrere Live-Schaltungen nach München.
Das eigentliche Problem war deshalb nicht, gute Musik zu schreiben. Es war Musik, die sich einem Ablauf unterordnet, der sich bis zum Schluss bewegt. Wenn der Ton an so einem Abend auch nur kurz hinterherhinkt, zerfällt genau der Moment, auf den alle seit Wochen hinarbeiten.
Giovanni und ich haben alles selbst geschrieben und nichts aus einer Bibliothek zusammengesucht: den Countdown, die Übergänge zwischen den Programmpunkten, die Betten unter den Moderationen und die Soundeffekte für die Bühnenmomente. Der visuelle Höhepunkt war ein Line-Art-Mapping über den ganzen Rumpf, in dem die Gesichter der Gäste aus beiden Städten auftauchten. Solche Bilder brauchen einen Klang, der mit ihnen wächst und nicht nur darunterliegt.
Die schwierigste Stelle des Abends war eine Überblendung, bei der ein Video auf zwei Ebenen gleichzeitig in den Ton übergehen musste. Auf dem Papier ist das eine Zeile im Ablauf. Im Hangar ist es der Punkt, an dem Bild, Musik und Regie auf den Frame genau zusammenkommen müssen, sonst sieht und hört jeder auf den Tribünen die Naht.
Ich war in der heißen Phase vor Ort. Ein Ablauf dieser Größe verändert sich bis zur letzten Probe, und was am Vortag noch gepasst hat, ist nach einer Änderung in der Regie plötzlich zu lang oder zu kurz. Also habe ich im Hangar weiter produziert und die neuen Fassungen direkt in die laufende Probe gegeben.
Das ist der Unterschied zwischen Musik abliefern und Musik betreuen. Wer nur Dateien schickt, merkt erst am Eventabend, dass ein Übergang nicht mehr passt.
Noch am Tag der Show kam der Moderator mit einer spontanen Idee: Er wollte den ganzen Hangar dazu bringen, gemeinsam das Riff von Seven Nation Army zu singen. Ein Programmpunkt, den es Stunden vorher nicht gab, in einem Ablauf, der auf die Sekunde geplant war.
Wir haben ihn eingebaut. Am Abend wurde aus zweitausend Einzelpersonen für eine Minute ein Publikum, und genau dieser Moment war einer von denen, an die sich die Leute hinterher erinnert haben. Solche Momente lassen sich nicht in der Postproduktion herstellen. Man kann sie nur möglich machen, indem man vor Ort ist, wenn sie entstehen.
Den Abend haben rund 2.200 Menschen an beiden Standorten gleichzeitig erlebt, dazu kam ein weltweiter Livestream. Gesamtregie und Streaming lagen bei Chris Cuhls und seinem Team, federführend war Eisele Communications, Visualisierung und Mapping kamen von der Stein Group, dazu VOSS+FISCHER als strategischer Partner der Agentur. Die Produktion wurde beim BrandEx Award eingereicht.
Woran ich gemerkt habe, dass es funktioniert hat, war aber keine Zahl. Als die schwierige Überblendung kam und absolut saß, haben im Intercom alle gejubelt. In diesem Moment hört man, wie viel Anspannung auf so einer Stelle liegt, und dass das ganze Team sie gespürt hat.
Mein Anteil: Musik, Sounddesign, Mischung und die Betreuung während der Proben bis zum Showtag. Wie Sound eine Produktpräsentation trägt, bevor das Produkt überhaupt sichtbar ist, zeigt der Case zum Reveal des Bugatti Tourbillon.
Warum eigens komponierte Musik statt Library-Musik für ein Firmenevent? Weil sich der Ablauf eines großen Events bis zur letzten Probe ändert. Eigene Musik lässt sich auf jede neue Länge schneiden, ohne dass Übergänge hörbar werden. Beim Dreamliner Roll-In wurden Countdown, Übergänge, Moderationsbetten und Soundeffekte komplett neu geschrieben.
Wie früh muss die Musik für ein Event stehen? Die Grundfassung früh, die letzte Fassung erst am Showtag. Bei Lufthansa kam noch am Tag der Show ein neuer Programmpunkt dazu. Das geht nur, wenn jemand vor Ort ist und weiter produzieren kann.
Funktioniert Musik in einem Hangar oder einer Industriehalle? Ja, wenn sie für den Raum gemacht ist. Hallen mit viel Volumen und langem Nachhall verzeihen keine dichten Arrangements und keine verwischten Übergänge. Die Mischung muss vor Ort entstehen oder dort final angepasst werden.
Kann Musik zwei Event-Standorte verbinden? Ja. Beim Dreamliner Roll-In liefen Frankfurt und München parallel und waren per Livestream verbunden. Musik und Übergänge haben die Live-Schaltungen zwischen beiden Hallen getragen.
Musik, Sounddesign und Betreuung aus einer Hand, von der Konzeption bis zur letzten Probe.
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