In der Kuppel ist oben die Hauptrichtung

Du bekommst eine Mischung, die für den Raum gebaut ist, in dem sie läuft: objektbasiert, in der Kanalzahl deiner Anlage, mit der Höhe als Hauptrichtung statt als Zugabe. Von der Tonplanung über die Aufnahme bis zur fertigen Ausspielung, aus einem Kopf.

Wenn du gerade einen Dome planst oder ein bestehendes Programm neu vertonst: fünfzehn Minuten Einordnung, danach reden wir über die Produktion.

Der Ton kommt meistens zu spät ins Projekt

Ein Betreiber schrieb mir im Sommer über sein geplantes Dome-Programm: Die Akustik sei bei so einem Bau entscheidend, das Erlebnis werde eher über den Ton getragen als über das Bild. Das Nachtprogramm sollte sogar ganz ohne Projektion auskommen.

Das ist die richtige Einschätzung, und sie kommt selten so früh. Kuppel und Dome meinen dabei dasselbe, und für den Ton gelten in beiden dieselben Regeln. Meistens erreicht mich das Thema erst, wenn Projektion, Sitzordnung und Bespielung stehen und jemand merkt, dass der Ton noch fehlt.

Eine Kuppel hat kein Vorne

Diese eine Tatsache verändert alles daran, wie der Ton für einen Dome gebaut werden muss.

Im Kino schauen alle in dieselbe Richtung, und die Mischung darf eine Bühne voraussetzen. Unter einer Kuppel liegt das Publikum auf dem Boden und schaut nach oben, und das Bild umschließt es in jede Richtung. Leg einen Frontmix in diesen Raum, und der Ton bleibt flach, während das Bild überall ist. Der Betrachter spürt das als eine unbestimmte Flachheit, ohne sie benennen zu können.

Dazu kommt etwas, das viele Planungen übersehen. In einer Kuppel liegen die Köpfe zum Zenit. Die Höhenkanäle sind damit keine dekorative Schicht über dem Geschehen, sie sind das Geschehen. Alles, was ein normaler Raum als oben behandelt, ist hier die Hauptrichtung der Aufmerksamkeit.

Ein fertiger Mix lässt sich nicht auf den Dome umrechnen

Der häufigste Plan, den ich sehe: Der Ton entsteht als normale Filmmischung, und am Ende wird er auf die Anlage im Dome verteilt. Das funktioniert aus zwei Gründen nicht.

Der erste ist geometrisch. In einer Kuppel ist ein Kanal, der zehn Grad danebenliegt, kein kleiner Fehler, sondern ein Ton, der aus dem falschen Teil des Himmels kommt. Das Routing muss exakt zur Anlage passen, und das entscheidet man beim Bauen der Mischung, nicht danach.

Der zweite betrifft Kopfhörermischungen. Läuft ein binaural gemischtes Stück über Lautsprecher, klingt es blechern und weit weg. Die Räumlichkeit steckt schon im Signal, und der Raum legt eine zweite darüber. Zwei Räume gleichzeitig ergeben keinen, sie ergeben Matsch.

Deshalb arbeite ich objektbasiert. Klänge werden als Objekte im Raum platziert und erst am Schluss auf das Layout gerechnet, das tatsächlich hängt. Dieselbe Session bedient dann 9.1.4 im Dome und eine Kopfhörerfassung fürs Headset, ohne dass eine der beiden ein Kompromiss ist.

Was dabei entsteht

Tonplanung vor dem Dreh. Welche Szenen tragen über den Ton, wo braucht es Aufnahmen vor Ort, was lässt sich später bauen. Das ist der Teil, der später Geld spart.

Aufnahme. Ambisonics vor Ort, dazu gezielte Einzelquellen für alles, was im Raum später beweglich sein soll.

Musik und Sounddesign. Komponiert für den Raum, nicht für die Timeline. Bei Emergence in Nature hieß das: Strukturen, die aus einem Zentrum in alle Richtungen wachsen, brauchen einen Ton, der dasselbe tut.

Die Mischung auf deinem Dome-Layout. 9.1.4, 22.2 oder was bei dir hängt. Objektbasiert gebaut, auf die reale Anlage gerechnet.

Alle Ausspielungen aus derselben Session. Dome, Headset, YouTube, Kopfhörerfassung für die Website. Das ist der Punkt, an dem sich der objektbasierte Aufbau bezahlt macht.

Ohne räumlichen Ton zerfällt die Aufmerksamkeit

Ich habe das mit vierzig Teilnehmern gemessen und die Studie auf der AES veröffentlicht. Zwei Gruppen sahen denselben Film von 9:26 Minuten, eine mit räumlichem Ton, eine ohne. Sechzig Blickmessungen pro Sekunde.

Das Ergebnis: In der Gruppe ohne räumlichen Ton fand die Auswertung 149 signifikante Aufmerksamkeits-Hotspots, in der Gruppe mit räumlichem Ton 99 (p < 0,01). Traten zwei Reize gleichzeitig auf, jemand sprach an einer Stelle und etwas bewegte sich an einer anderen, zerfiel der Blick ohne räumlichen Ton deutlich häufiger in konkurrierende Punkte.

Für einen Dome ist das die entscheidende Zahl. Du hast keine Blickregie über den Bildausschnitt. Der Ton ist das einzige Werkzeug, das die Aufmerksamkeit im Rundumbild führen kann.

Zwei Nebenbefunde aus derselben Messung sind für die Planung nützlich. Die Köpfe bewegen sich kaum mehr als 15 Grad nach unten und 5 Grad nach oben, mühelos ist ein Sektor von etwa 30 Grad. Und eine Teilnehmerin beschrieb, sie habe es als unhöflich empfunden, wegzuschauen. Räumlicher Ton erinnert daran, dass da noch jemand ist.

Zwei Einwände, die fast immer kommen

Beide höre ich in fast jedem Erstgespräch, und beide lassen sich sauber beantworten.

Wir wollen Dome und VR aus derselben Produktion

Das ist der häufigste Konflikt, und im Bild ist er tatsächlich einer: Die Kamerasysteme für beide Formate verlangen Kompromisse. Beim Ton verlangen sie keine. Entsteht die Mischung objektbasiert, ist die Dome-Fassung ein Renderziel und die Headsetfassung ein zweites. Der Aufwand steckt in der Planung, nicht in der zweiten Ausspielung. Bei Bauhaus in Bayern lief genau das: VR-Brille, YouTube und ein begehbarer Projektions-Dome aus einer Tonarbeit.

Wir haben schon eine Anlage, die kann das doch

Kann sie meistens. Die Frage ist nicht, ob genug Lautsprecher hängen, sondern ob die Mischung weiß, wo sie hängen. Ich brauche das Layout, die Kanalzuordnung und im Idealfall einen Tag im Raum. Danach ist die Anlage kein Thema mehr.

Alles aus einer Hand

Beratung, Aufnahme, Musik, Sounddesign und Mischung kommen bei mir aus demselben Kopf. Es gibt keine Übergabe zwischen Gewerken, an der Informationen verloren gehen, und für kleine Projekte lässt sich daraus ein schlankes Paket schnüren. Ich mache das seit zehn Jahren und über hundert Projekten ausschließlich.

Emergence in Nature, Deutsches Museum München

40-minütige Fulldome-Projektion im Dome des Deutschen Museums, von WE ARE VIDEO und Nicole Popst. Ich habe die Musik komponiert, das Sounddesign gebaut und das gesamte Stück in 9.1.4 in Spat Revolution gemischt.

Das Stück folgt der Mathematik hinter natürlichen Formen, von Atomen und Kristallen über DNA und Zellstrukturen bis zu spiralförmigem Wachstum. Ein Kapitel baut vollständig auf der Fibonacci-Folge und dem Goldenen Winkel von 137,5 Grad auf. Das sind Strukturen, die aus einem Zentrum heraus in alle Richtungen gleichzeitig wachsen. Ein Soundtrack, der von vorne kommt, hätte dem Bild an der Decke widersprochen.

Bauhaus in Bayern

360-Grad-Dokumentation von Schwarzbild Medienproduktion zum Bauhaus-Jubiläum, gedreht an den Gropius-Bauten in Amberg und Selb. Ich war als 360 Sound Teil der Crew und habe den kompletten Ton verantwortet: Aufnahmen an den Originalschauplätzen, Sounddesign, Mischung und die Ausspielungen für VR-Brille, YouTube und einen begehbaren Projektions-Dome.

Von Gropius‘ Zeit in Bayern existiert kaum bewegtes Bild. Deshalb trägt hier der Ton die Erzählung: Papier raschelt, eine Fabrikhalle atmet, ein Brennofen glüht hörbar im Rücken. Die beiden Protagonisten bekamen eigene musikalische Motive, die immer aus ihrer Richtung erklingen.

Die beiden Projekte zeigen die Spannweite: ein komponiertes Stück für eine feste Kuppel, und eine Dokumentation, die dieselbe Tonarbeit auf drei Ausgabewege bringt.

Häufige Fragen

Was kostet der Ton für eine Dome-Produktion? Das hängt an Laufzeit, Kanalzahl und daran, ob Material aufgenommen oder gebaut wird. Als Orientierung: Bei immersiven Produktionen liegt ein realistischer Audioanteil bei zehn bis zwanzig Prozent des Projektbudgets. Liegt er darunter, wurde meist unterschätzt, wie viel im Rundumbild über den Ton läuft.

Kann ich vorher etwas hören? Ja, und das solltest du auch. Räumlichen Ton kann man nicht beschreiben. Ich schicke dir Referenzen in voller Qualität und richte auf Wunsch eine Hörsituation ein, in der du den Unterschied selbst prüfst, bevor irgendetwas beauftragt wird.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, mich zu holen? Zu früh gibt es nicht. Je eher der Ton in der Konzeption sitzt, desto mehr lässt sich am Set einsammeln statt später nachzubauen. Die einzige harte Grenze ist der letzte Drehtag. Danach ist alles, was nicht aufgenommen wurde, Rekonstruktion.

Wir haben nur eine fertige Zweikanal-Mischung vom Dienstleister. Reicht die? Für einen Dome nicht. Daraus lässt sich keine Raumfassung zurückrechnen, die Informationen fehlen schlicht. Was geht, ist ein Neuaufbau aus Einzelquellen, und das ist eine eigene Position im Budget.

Arbeitest du auch an bestehenden Programmen? Ja. Wenn ein Programm schon läuft und im Raum nicht trägt, sehe ich mir Layout, Zuspielung und Mischung an und sage dir, ob eine Überarbeitung reicht oder ob es eine neue Fassung braucht.

Zwei Gespräche, nicht eins

Der erste Termin ist kurz und dient nur der Einordnung. Eine Viertelstunde, in der ich frage, worum es geht, wie der Dome und die Anlage aussehen, wann eröffnet oder gedreht wird und wer die Entscheidung trifft. Danach weißt du, ob sich ein längeres Gespräch lohnt, und ich weiß es auch.

Passt es, folgt das eigentliche Gespräch über die Produktion. Über Google Meet, eine halbe Stunde reicht für den Anfang.

Schick mir vorher, was da ist: Grundriss, Lautsprecherplan, Programmlänge. Wenn es nur eine Idee gibt, reicht die auch.

Kurzes Erstgespräch anfragen
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