Ein Ambisonics-Mikrofon in die Mitte des Raums zu stellen ist der häufigste Plan, den ich sehe. Er liefert einen Raum und sonst nichts. Diese Seite sagt, was am Drehtag zusätzlich passieren muss.
Erstes Gespräch anfragenDer Satz fällt in fast jeder Vorbesprechung, und er ist nur zur Hälfte falsch. Ein Ambisonics-Mikrofon nimmt den Raum auf, und das macht es gut. Es beschreibt aber ein Schallfeld, keine einzelnen Quellen. Was nicht getrennt aufgenommen wurde, lässt sich später nicht trennen.
Praktisch heißt das: Die Person, die spricht, klingt so weit weg, wie das Mikrofon von ihr entfernt stand. Der Lärm der Location liegt auf allen Kanälen gleichzeitig. Und das Detail, das die Szene erzählen soll, geht in der Summe unter, weil das Mikrofon nichts hervorhebt.
Auf Fachkonventionen wird über jedes Detail einzelner Kapseln diskutiert. Ich sitze da oft und denke, dass das nachher niemand so hören wird. Welches Mikrofon richtig ist, hängt vollständig davon ab, was du erreichen willst.
Der Markt gibt sich Mühe und liefert trotzdem kein Gerät, das alles kann. Die hochwertigen Ambisonics-Mikrofone sind für 360-Grad-Produktionen teils schlicht zu groß, weil sie unter der Kamera verschwinden müssen. Handlichere Modelle sind ein guter Kompromiss aus Größe und Klang. Und mein eigener Kunstkopf hat acht Ohren, was jede Diskussion über das eine perfekte Mikrofon ohnehin beendet.
Mehr Kanäle sind übrigens keine Lösung, sondern eine Verlagerung. Wer maximal genau lokalisieren will, braucht viele Kanäle in der Aufnahme. Dieselben Kanäle müssen danach aufgeräumt werden, mit Kompression und Entzerrung, und bei sehr vielen Kanälen ruiniert genau diese Bearbeitung wieder, was die Aufnahme gewonnen hatte.
Welche Quelle bekommt ein eigenes Mikrofon? Jede Stimme, die verstanden werden soll, und jedes Detail, das auffallen muss. Der Rest kommt aus dem Raum.
Wo verstecke ich es? Bei 360 Grad sieht die Kamera alles. Ansteckmikrofone gehen unter die Kleidung, Rekorder in Taschen, und die Absprache mit dem Kameradepartment gehört zur Tonarbeit dazu.
Wie kontrolliere ich, was ankommt? Ohne Rückweg stellst du Kamera und Rekorder hin, drückst Aufnahme, gehst aus dem Bild und weißt nichts. Es braucht eine Funkstrecke zurück oder eine Fernsteuerung.
Nehme ich dieselbe Sache zweimal auf? Bei einer Vorbeifahrt auf der Rennstrecke habe ich einmal mit einem normalen Mikrofon und einmal räumlich aufgenommen. In der Mischung war die räumliche Aufnahme streckenweise zu weit weg, weil Werbung das ganz Präsente will. Genommen habe ich am Ende aus beiden.
Was nehme ich bewusst nicht auf? Wer die Postproduktion selbst macht, weiß am Set schon, welcher Ton später schneller gebaut als aufgenommen ist. Das spart Drehzeit.
Der Reflex bei räumlichem Ton ist, die Realität möglichst genau abzubilden. Bei einem 360-Grad-Konzertvideo könnte man exakt nachbauen, wie es vor Ort war: Band vorne, Publikum hinten, der Ton kommt aus der Beschallungsanlage. So funktioniert es in der Wirklichkeit.
Nur will man dem Publikum nicht erzählen, der Gesang komme von links oben, weil dort ein Lautsprecher hängt. Man will die Band. Aufgenommen wird also nicht, was da ist, sondern was erzählt werden soll. Diese Entscheidung fällt am Set, weil sie bestimmt, welche Mikrofone überhaupt mitkommen.
Beide habe ich beraten, aufgenommen und gemischt.
Mein erstes 360-Grad-Projekt kam einen Monat, nachdem ich zum ersten Mal eine VR-Brille getragen hatte. Dieselben Leute, die sie mir aufgesetzt hatten, planten eine Dokumentation in Südostasien und fragten, ob ich den Ton machen wolle. Ich sagte zu, ohne zu wissen, wie es funktioniert.
Danach hatte ich etwa einen Monat Vorbereitung, in dem ich alles gelernt habe, was damals online über räumliches Audio zu finden war. Das war nicht viel: im Wesentlichen eine Facebook-Gruppe, in der sich Leute gegenseitig geholfen haben. Ich musste ein Mikrofon kaufen und das Verfahren in wenigen Wochen lernen. Dann stand ich bei 40 Grad im Schatten und nahm auf.
Warum das hier steht: Die Bedingungen am Set sind selten die, für die man geplant hat. Was hilft, ist eine Aufnahme, die mehrere Wege offen lässt.
Eine Tour bei Abendstimmung, aufgenommen aus der Ich-Perspektive. Wichtigstes Element war die Sprachaufnahme des Protagonisten auf dem Board, verkabelt unter der Kleidung. Ein sichtbares Mikrofon hätte die Illusion sofort gebrochen.
Diese Spur wurde geschnitten, entzerrt, mit einem Spatializer im Raum bewegt und über Distanz und Hall in die Szene gesetzt. Parallel lief ein 3D-Mikrofon auf dem Board selbst. Die Atmosphäre entstand aus vielen Einzelteilen: Vögel, Grillen, plätscherndes Wasser, Wellenrauschen. Nimmt man den Sprecher weg, bleibt genau die Stimmung übrig, wegen der jemand an den Chiemsee fährt.
Das ist der Punkt: Eine gute Szene ist keine Aufnahme. Sie ist eine Sprachspur plus ein Raum plus fünfzehn Einzelteile.
Ich bin Martin Rieger, Tonmeister aus München, und seit zehn Jahren mache ich nichts anderes als Ton für immersive Medien. Über hundert Projekte, darunter Audi, BMW mit Harman/Kardon, Bugatti, Lufthansa Technik, die Deutsche Zentrale für Tourismus, die Europäische Kommission und Corridor Digital in Los Angeles.
Weil ich auch die Mischung mache, entscheide ich am Set anders. Ich weiß, was ich später noch bauen kann, und nehme genau das nicht auf.
Wie du den Ton planst, bevor überhaupt gedreht wird, steht auf Ton planen, bevor gedreht wird. Wohin das Ergebnis später ausgeliefert wird, auf Auf welchen Geräten dein Ton ankommt.
Als Set-Tonmeister war Martin Rieger aus München im Einsatz, der über Erfahrung mit Immersive Audio verfügt und sehr guten Set-Ton ablieferte.
Wir können Martin Rieger als professionellen und kompetenten Partner bei Film- und Audioproduktionen empfehlen.
Die Zusammenarbeit im Rahmen unserer „Sounds of Germany" Kampagne war von der Kreativphase, über die Dreharbeiten bis hin zu Postproduktion äußerst angenehm, das finale Ergebnis erstklassig.
Reicht ein Ambisonics-Mikrofon?
Für den Raum ja. Für alles, was verstanden oder hervorgehoben werden soll, nein. Die Frage ist nicht, ob es reicht, sondern wie viele Quellen einzeln hörbar sein müssen.
Da stellt sich die Frage, ob Ton gleichzeitig oder getrennt aufgenommen wird. Getrennt ist fast immer sauberer, weil die Aufnahmesituation für Bild und Ton unterschiedliche Bedingungen braucht. Das gehört in die Planung, nicht an den Drehtag.
Dann bauen wir die Szene in der Post aus Einzelteilen, statt eine Aufnahme zu retten. Das ist ein anderer Aufwand, aber es geht.
In der Regel keinen. Was Zeit kostet, sind Wildtracks und Atmos-Aufnahmen, und die lassen sich meist in die Umbaupausen legen, wenn das jemand vorher einplant.
Das Gespräch läuft über Google Meet. Der Ort spielt keine Rolle.
Bevor wir über Mikrofone reden, klären wir in einer Viertelstunde das Wesentliche: worum es geht, wo gedreht wird, wann der Drehtag ist und wer bei euch entscheidet. Danach weiß ich, ob ich der Richtige bin, und du weißt, was es braucht.
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