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Virtual Reality Sound

… stellt an den Ton ganz neue Anforderungen, sei es aus technischer oder kreativer Sicht. Vereinfacht lässt sich sagen, dass der Virtual Reality Sound einen dreidimensionalen Höreindruck erzeugen soll, obwohl er meist nur über Kopfhörer wiedergegeben wird.
Es lässt sich erahnen, dass das gar nicht so einfach ist, wobei ich mit Fachbegriffen wie "binaural" und "Head-Related Transfer Function" auch nicht gleich zu sehr ins Detail gehen will. Um trotzdem einen guten Überblick für den Sound zu 360° Videos zu bekommen, sind hier die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Übersehen, ja – Überhören, nein!

Ein maßgeblicher Unterschied von der visuellen und auditiven Ebene ist folgende Tatsache: Bildelemente können schnell mal übersehen werden, Tonelemente aber nicht überhört. Lediglich die Richtungswahrnehmung ist anders, was anderes herum bedeutet, dass der Ton die einzige Möglichkeit ist, den Zuschauer subtil in eine Richtung zu lenken. Man steuert seinen Blick zu den wichtigen Elementen im Bild und kann somit gewährleisten, dass keine wesentlichen Details der Szene unentdeckt bleiben.

Besonders interessant ist dieser Ansatz, wenn das 360° Video Konzept im Vornherein diesen Punkt berücksichtigt und somit ganz neue Spielmöglichkeiten für die Handlung geschaffen werden können, was für storytelling in virtual reality essentiell ist.

Es muss keine Kopie der Realität sein

Schon seit Beginn der Surround-Formate war oft das Ziel, ein möglichst realitätsnahes Klangbild für den Zuhörer zu schaffen. Gerade bei Virtual Reality Sound scheint es ebenfalls strebsam zu sein.

Doch ich bin anderer Meinung. Durch die gezielte Führung des Blicks wird klar, dass es nicht immer sinnvoll ist, die Realität als Vorbild zu nehmen, da zu viele Sounds den Betrachter auch schnell überladen. Es muss viel mehr entschieden werden, was für eine Szene wichtig ist, um einen Einfluss auf die Blickrichtung gewinnen zu können und nicht durch unwichtige Töne abzulenken.

Spatial Sound ist nicht “nice to have”

Kinobesucher sind bereit sich ein Surround-Sound Erlebnis auch gut was kosten zu lassen. Doch ob Stereo oder Surround, am Ende des Tages ist es ein nettes Feature (und das sag ich als Enthusiast für immersives Audio). Diese Einstellung ist aber nicht auf 360 Grad Videos übertragbar, da bei VR die komplette Umgebung kugelförmig abgebildet wird, und nicht, wie im Kino, nur ein Ausschnitt der Szene zeigt.

Ganz im Gegenteil ist hier also der Stereo-Ton eigentlich als falscher Ton anzusehen, der die Immersion kaputt machen kann, welche man versucht hat, mit dem Bild aufzubauen. Es gibt sehr wenige gute Gründe, bei einem Virtual Reality Sound Erlebnis auf statischen Ton zurückzugreifen und zeigt sehr offensichtlich, dass hier das Potential des Medium bei weitem nicht ausgeschöpft wurde.

Klar, das sagt jetzt der Tonmann, aber stellen Sie sich folgendes vor: Sie haben eine VR-Brille auf und drehen den Kopf: Das Bild dreht sich mit dem Head-Tracking, aber der Ton nicht… selbst der Laie merkt schnell, hier stimmt doch was nicht 😉

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